Das Pronomen


Das Pronomen
(Fürwort)
§ 92. Das Pronomen ist eine Wortart, die kein Ding bzw. dessen Eigenschaft nennt, sondern nur darauf hinweist. Nach ihren syntaktischen Funktionen im Satz zerfallen die Pronomen in zwei Gruppen: substantivische Pronomen (pronomina substantiva) und adjektivische Pronomen (pronomina adjectiva). Die substantivischen Pronomen erfüllen im Satz die Funktionen eines Substantivs, die des Subjekts, des Objekts usw. Die adjektivischen Pronomen stehen im Satz in attributiver Funktion.
Ihrer Bedeutung und ihren grammatischen Eigenschaften nach werden die Pronomen in folgende Gruppen eingeteilt:
1. die Personalpronomen (persönliche Fürwörter)
2. die Reflexivpronomen (rückbezügliche Fürwörter)
3. das Reziprokpronomen (wechselbezügliches Fürwort)
4. das unpersönliche Pronomen (unpersönliches Fürwort)
5. die Demonstrativpronomen (hinweisende Fürwörter)
6. die Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter)
7. die Interrogativpronomen (fragende Fürwörter)
8. die Relativpronomen (bezügliche Fürwörter)
9. die Indefinitpronomen (unbestimmte Fürwörter)
10. die Negativpronomen (verneinende Fürwörter)
Die Personal- und Reflexivpronomen sowie das unpersönliche und das Reziprokpronomen gehören zu den substantivischen Pronomen. Die Demonstrativ- und Possessivpronomen werden vorwiegend als adjektivische Pronomen gebraucht. Die Interrogativ-, Indefinit-, Relativ- und Negativpronomen treten teils als substantivische, teils als adjektivische Pronomen auf. Ihrem Gebrauch nach stehen den Pronomen die Pronominaladverbien nahe. (Näheres darüber s. § 118).
§ 93. Das Personalpronomen. Die Personalpronomen sind: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie, Sie. Die erste und zweite Person sind ungeschlechtig. Die dritte Person Singular weist alle drei Geschlechter auf.
Die Personalpronomen weisen in ihrer Deklination suppletive Formen auf, d. h. die Kasusformen werden von verschiedenen Stämmen gebildet; das gilt auch für die Pluralformen. Vgl.: ich — mir, wir — uns usw.
Anmerkung. Dieselbe Erscheinung ist auch für die russische und manche anderen Sprachen kennzeichnend. Vgl.: я — меня, мы — нас.
Die Personalpronomen im Genitiv werden selten gebraucht, und zwar nur nach den Verben und Adjektiven, die den Genitiv regieren.
Mag er sich zuweilen meiner erinnern, wenn er Zeit dazu hat. (A. Seghers)
„Helfen Sie mir, daß ich Ihrer wert werde.“ (W. Bredel)
Das Personalpronomen ihr dient als Anrede an viele Personen, von denen jede einzelne mit du angeredet wird. Es wird auch als Anrede auf Kundgebungen, in Versammlungen, in Heeresbefehlen usw. gebraucht.
Und Frau Hardekopf fuhr fort: „Du warst doch gestern im Krankenhaus, hast mir aber noch gar nicht erzählt, wie es Walter geht.“ — „...Er langweilt sich sehr. Und ihr möchtet doch Sonntag kommen.“ — „Wer ihr?“ — „Na, du und Vater.“ (W. Bredel)
Deutsche! Ihr wollt das nicht. Ihr wolltet niemals ohne Ruhm und Ehre sein; ihr bemerktet leider nicht, daß es am Tage jener Machtergreifung damit anfing. (H. Mann)
„Leute! Da ihr meine Untergebenen seid, will ich euch nur sagen, daß hier künftig forsch gearbeitet wird.“ (H. Mann)
Als Höflichkeitsform sowohl im Singular als auch im Plural wird im Deutschen die Form der dritten Person Plural gebraucht (im Russischen ist es die Form der zweiten Person Plural).
„Da machen Sie sich keine Sorgen, Herr Müller...“ (M. Zimmering)
„Sehen Sie, meine Herren, das da hab ich meinem Sohn für Weihnachten 1943 gekauft, aber wir haben vergeblich auf ihn gewartet... bis heute.“ (M. Zimmering)
Anmerkung. In der deutschen klassischen Literatur (Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts) kommt noch als höfliche Anredeform die 2. Person Plural Ihr vor.
Franz: Das sagtet Ihr. Nun habt Ihr's gefunden? Ihr beneidet den schlechtesten Eurer Bauern, daß er nicht Vater ist zu diesem — Ihr habt Kummer, solang' Ihr diesen Sohn habt. Dieser Kummer wird wachsen mit Karl. Dieser Kummer wird Euer Leben untergraben. (F. Schiller)
Die alten Höflichkeitsformen des Singulars Er und Sie wurden bereits in jener Zeit nur noch als Anredeform für niedriggestellte Personen gebraucht.
Franziska (erschrickt): He!
Werner: Erschrecke Sie nicht — Frauenzimmerchen, Frauenzimmerchen, ich sehe, Sie ist hübsch und ist wohl gar fremd — Und hübsche fremde Leute müssen gewarnet werden — Frauenzimmerchen, Frauenzimmerchen, nehm' Sie sich vor dem Manne in acht! (Auf den Wirt zeigend.) (G. E. Lessing)
Die modernen Schriftsteller verwenden diese Formen aus stilistischen Gründen, um die Sprache einer vergangenen Epoche oder einzelner Helden zu kennzeichnen.
„So sind wir im Gasthofe abgestiegen, werden aber schon zu Tische bei unseren Lieben sein. Ist Er's zufrieden?“ — „Wie sehr, Frau Hofrätin, wie sehr!“ (Th. Mann)
„Dann fahr Er nur“, rief die Tante. Lenore erinnerte sich an ihre Gewohnheit, Bediente in dritter Person anzusprechen. (A. Seghers)
§ 94. Das Reflexivpronomen. Das Reflexivpronomen weist auf das Subjekt (seltener das Objekt) des Satzes hin. Es besitzt nur zwei Kasusformen und wird im Satz als Objekt, seltener als Adverbialbestimmung gebraucht. Das Pronomen sich wird als 3. Person Singular und Plural im Dativ und Akkusativ gebraucht. Die 1. und 2. Person Singular und Plural des Reflexivpronomens stimmen mit den entsprechenden Formen des Personalpronomens überein:
Da er in diesem Glücksrausch unmöglich einschlafen konnte, stieg er nochmals ins Hotel hinab und bestellte sich eine Flasche Sekt. (B. Kellermann)
Er wußte wenigstens für sich selbst einen Ausweg... (A. Seghers)
Er bleibt in der Tür stehen, hält den Strauß vor sich hin und beginnt sofort zu reden... (Th. Mann)
Bei manchen Verben hat das Reflexivpronomen reziproke Bedeutung, es kommt dann dem Reziprokpronomen einander nahe.
Sie warfen sich einmal sogar gegenseitig vor, nur der andere habe schuld an allem. (W. Bredel)
Der Besuch war recht unerwartet für Brentens und die Unterhaltung gezwungen und verkrampft. Man betrachtete und beobachtete sich gegenseitig. (W. Bredel) (Näheres über die Verben mit sich s. §§ 126 u. 208.)
§ 95. Das Reziprokpronomen. Das Reziprokpronomen einander ist undeklinierbar. Es steht bei Verben, die eine reziproke Bedeutung haben können, d. h. eine Handlung bezeichnen die mindestens zwei handelnde Personen voraussetzt: sich küssen, sich schlagen, sich zanken, sich anblikken u. a.
Mit Präpositionen bildet das Reziprokpronomen Zusammensetzungen: voneinander, miteinander, zueinander, u. a.
Als sie erfuhren, daß ihr Junge wieder gesund und kein Krüppel werden würde, fielen sie einander vor Freude in die Arme. (W. Bredel)
„Geschäft und Vereinsarbeit miteinander verquicken? Niemals!“ wiederholte Brenten barsch. (W. Bredel).
§ 96. Das unpersönliche Pronomen. Das unpersönliche Pronomen es erfüllt im Satz die Funktion des Subjekts oder des direkten Objekts.
Es war schwül wie seit Tagen, es wetterleuchtete manchmal und regnete etwas. (Th. Mann)
...Madam! ich habe es im Französischen weit gebracht! (H. Heine)
Das unpersönliche Pronomen es wird gebraucht:
1. als Subjekt mit unpersönlichen Verben, die Naturerscheinungen bezeichnen;
Die Luft ist kühl, und es dunkelt. (H. Heine)
„Oh, was für ein entsetzlicher Winter, schon wieder schneit es.“ (B. Kellermann)
2. als Subjekt in unpersönlichen Sätzen (mit einem prädikativen Adjektiv bzw. Substantiv), in denen Naturerscheinungen als Ruhezustand bzw. als Übergang zu einem solchen geschildert werden;
Es war noch sehr früh, als ich Göttingen verließ... (H. Heine)
Da wird es auch schon fühlbar kälter. (H. Heine)
Ich sitze vor meiner Hütte, und es wird Abend. (B. Kellermann)
3. als Subjekt in Sätzen mit stehenden Wendungen: es gibt, es steht, es geht, es handelt sich, es fehlt, es mangelt, u. a. m.;
In der Konditorei gab es nur noch einen Gast.... (A. Seghers)
Die Frau erwiderte trocken, es handle sich nur darum, einen Tag zu warten. (A. Seghers)
4. als Objekt in Sätzen mit stehenden Wendungen: es gut (schlecht, schön usw.) haben, es sich bequem machen, es gut (schlecht) meinen, es weit bringen usw.
Wie Sonja staunen würde! Ja, sie sollte es schön haben hier in dieser entlegenen Stadt... (B. Kellermann)
Aber auch Rosenberg wollte es nicht mit dem Millionär Jaskulski verderben, Katinka rannte von Anwalt zu Anwalt, keiner wollte es mit Jaskulski verderben. (B. Kellermann)
Das unpersönliche Pronomen es kann nur bedingt zu den Pronomen gezählt werden, denn es weist eigentlich auf nichts hin und ersetzt nichts. In einigen Fällen hat sich das es gänzlich vom Pronomen losgelöst und ist zu einer grammatischen Partikel geworden. Als Partikel wird es gebraucht:
1. in unpersönlichen Sätzen, die Empfindungen, Gefühle usw. bezeichnen. Nimmt ein Nebensatzglied im Satz die Anfangsstellung ein, so kann die Partikel es auch ausbleiben;
Es wurde ihm schwindlig... (A. Seghers)
Ihm war es schwül geworden... (H. Mann)
Ein leises trauriges Lied klang eines Abends durch meine Seele. Mich fröstelte... (B. Kellermann)
2. in unpersönlichen Sätzen mit dem Verb im Passiv, wobei dann die Partikel es nur die Anfangsstellung einnehmen kann.
Es wurde geklopft und gesägt... (E. Claudius)
An der Tür wurde geklopft. (B. Kellermann)
Die Partikel es tritt zuweilen in persönlichen Sätzen als Formwort auf, wenn keines der Satzglieder die Anfangsstellung einnimmt (vgl. § 208).
Es stehen unbeweglich | Die Sterne in der Höh' | Viel tausend Jahr' ... (H. Heine)
Es waren mehrere Leute im Laden anwesend. (Th. Mann)
„Lang lebe der König! Es freue sich, | Wer da atmet im rosigten Licht!“ (F. Schiller)
§ 97. Das Demonstrativpronomen. Die Demonstrativpronomen sind: der, dieser, jener, solcher, derjenige, derselbe, es, selbst, selber. Alle Demonstrativpronomen (außer es) werden sowohl adjektivisch als auch substantivisch gebraucht.
Das Pronomen der, die, das ist das älteste Demonstrativpronomen. Aus diesem Pronomen hat sich der bestimmte Artikel entwickelt. Jedoch weicht die Deklination des Pronomens von der des Artikels ab.
Das Demonstrativpronomen der, die, das (mit den Genitivformen des, der und der Dativform den) wird selten adjektivisch gebraucht, da es in allen seinen Formen mit dem bestimmten Artikel übereinstimmt und sich davon nur durch stärkere Betonung unterscheidet. Meist folgt dann auf das Beziehungswort ein Attributsatz.
Meister Martin gibt seine Tochter nur dem Küper, der in seinem Hause das tüchtigste Meisterstück macht... (E. T. A. Hoffmann)
In allen übrigen Fällen wird das Pronomen der, die, das substantivisch gebraucht. Das Demonstrativpronomen der, die, das tritt, namentlich in der Umgangssprache, häufig in der Funktion des Personalpronomens auf.
„Warum hat sich denn die Rosenthal bei Ihnen versteckt?“ — „Weil sie Angst gehabt hat so allein in ihrer Wohnung... Der haben sie den Mann weggeholt.“ (H. Fallada)
Vielmehr erzählte er weiter von Doktor Peral, dem großen Arzt. Der habe aus dem Ausland herrliche Gemälde mitgebracht. (L. Feuchtwanger)
„Cäcilie, was ist mit Matthias Brenten?...“ — „Dem hat die neue Regierung doch die Pension gestrichen.“ (W. Bredel)
Das Pronomen das besitzt außer der üblichen hinweisenden noch eine verallgemeinernd-hinweisende Bedeutung und tritt in dieser besonders häufig auf.
Er stand auf und brachte eine Zigarrenkiste. „Sehen Sie, meine Herren, das da hab ich meinem Sohn für Weihnachten 1943 gekauft, aber wir haben vergeblich auf ihn gewartet... bis heute.“ (M. Zimmering)
„Der Buchstabe B ist an der Reihe, Kai, das ist nicht aus der Welt zu schaffen...“ (Th. Mann)
Das Pronomen der, die, das (mit den Genitivformen des, der und der Dativform Pl. denen) dient häufig als Hinweis auf ein Ding derselben Gattung und derselben Benennung wie das eben erwähnte. Das Pronomen hat in solchen Fällen ein nichtkongruierendens nachgestelltes Attribut bei sich.
Jankos Gesicht strahlte wie das eines glücklichen Knaben, als er durch die Stadt fuhr. (B. Kellermann)
...auf der Brust schimmerte bläulich ein tätowierter Mädchenkopf, dem Fannys ähnlich. (J. R. Becher)
Seine Augen waren von etwas dunklerem Blau als die seines Vaters und hatten denselben, nicht sehr lebhaften, gutmütig prüfenden Ausdruck... (Th. Mann)
Er fand auch, daß sie mehr den Frauen seiner südlichen Heimat glich als denen hier an der Nordküste... (W. Bredel)
Anmerkung. Die Demonstrativpronomen der russischen Sprache können in der obengenannten Funktion nicht auftreten. Beim Übersetzen ins Russische wird dasselbe Substantiv wiederholt bzw. der Satz syntaktisch umgebaut. Vgl.:
War es nicht der Tod des Liebespaares in der Pension Sußner... Und zugleich der von Dusel und Hasenöhrl. (J. R. Becher) - Разве то не была смерть влюбленной четы в пансионе Зуснер... И в то же время это была смерть Дузель и Газенэрля.
Seine Augen waren von etwas dunklerem Blau als die seines Vaters und hatten denselben, nicht sehr lebhaften, gutmütig prüfenden Ausdruck... (Th. Mann) - Его глаза, несколько более темные, чем у отца, отличались тем же не столько оживленным, сколько добродушно-испытующим выражением.
Die Genitivformen dessen und deren (für den Singular) und deren (für den Plural) werden als nichtkongruierendes Attribut gebraucht.
...er schlich sich... um das Dorf herum und durch dessen verdeckte Gäßchen... (G. Keller)
Nach kurzer Unterbrechung hatte Brenten die Beziehungen zu seinen Geschwistern wieder angeknüpft, außer denen zu seiner Schwester Mimi und deren Mann und zu seinem Bruder Matthias und dessen Familie. (W. Bredel)
...die Luft wurde noch kälter, die Sonne neigte sich tiefer, und die Turmplatte füllte sich mit Studenten, Handwerksburschen und einigen ehrsamen Bürgerleuten samt deren Ehefrauen und Töchtern, die alle den Sonnenuntergang sehen wollten. (H. Heine)
Die Genitivformen dessen und deren stehen statt des entsprechenden Possessivpronomens, wenn beim Gebrauch dieses letzteren mehrdeutige Beziehungen entstehen können.
Ihr einziger Halt blieb ihre Tochter und ihre einzige Freude deren Sohn Peter, ihr Enkelkind. (W. Bredel)
Dennoch sah ihn Sali... voll Furcht und Scheu an, als ob sein Leben in dessen Hand stände... (G. Keller)
Als Eise zufällig zu ihrem Fritz und den Genossen zurücksah, bemerkte sie, wie hinter deren Rücken vorsichtig einige Gestalten von Haus zu Haus heranschlichen. (W. Bredel)
Die Genitivformen dessen, derer (für den Genitiv Singular) und deren, denen (für den Genitiv bzw. Dativ Plural) werden mit einem nachfolgenden Attribut (meist in Form eines Attributsatzes) gebraucht.
Plötzlich war man einsam, ausgestoßen aus dem Kreis derer, die einem wert gewesen waren. (W. Bredel)
„Hör'n Sie mal, Sie wollen mir allen Ernstes einreden, Sie wüßten nicht, wer die Herausgeber sind und wo die Zeitung gedruckt wird?“ — „Das weiß außer denen, die sie machen, niemand.“ (W. Bredel)
§ 98. Die Pronomen dieser, jener und solcher verändern sich nach Geschlecht und Zahl; sie werden nach einem Deklinationstyp dekliniert, der für Pronomen kennzeichnend ist und daher die pronominale Deklination genannt wird.
In der Umgangssprache sowie in der schönen Literatur kommt für den Nominativ bzw. Akkusativ des sächlichen Geschlechts statt der Form dieses auch das gekürzte dies vor.
Hübner schloß: „Kollegen, morgen wird gestreikt!“ Dies Wort feuerte alle Köpfe an. (W. Bredel)
Sie besprachen noch dies und jenes, während Fabian über seine Ehe nachdachte. (B. Kellermann)
Die Pronomen dieser und jener weisen auf Erwähntes zurück. Näherliegendes wird dabei durch dieser, Fernliegendes durch jener bezeichnet.
Uns Dreien... trat eine andere Drei entgegen: Neff, Strebel und Löwenstein. Diese Drei waren die Besten und hielten... fest zusammen. (J. R. Becher)
Endlich hatte Hardekopf das Buch in Händen. Bevor er indes richtig zu lesen begann, hatte er bald diese oder jene Seite aufgeschlagen... (W. Bredel)
Die andere Dame, die Frau Schwester, bildete ganz den Gegensatz der eben beschriebenen. Stammte jene von Pharaos fetten Kühen, so stammte diese von den magern. (H. Heine)
§ 99. Die Demonstrativpronomen derselbe und derjenige werden in beiden Teilen dekliniert: der erste Teil pronominal, der zweite nominal.
Das Pronomen derselbe verwendet man nur, wenn es den Sinn von „ebenderselbe“, „völlig gleich“, „übereinstimmend“ hat.
Kai war sichtlich erleichtert. „Ich bin in genau derselben Lage“, erklärte er munter. (Th. Mann)
Er war in gleichem Maße gewachsen wie dieser, aber sonst war er ganz und gar derselbe geblieben. (Th. Mann)
Aber für Steinbrenner war es nicht dasselbe. (E. M. Remarque)
Das Pronomen derjenige hat die Aufgabe, eine gewisse Auswahl zu treffen. Es zieht einen Relativsatz nach sich.
Es war derjenige Oberlehrer, der nur dienstlich mit seinen Standesgenossen... verkehrte... (Th. Mann)
Das Pronomen derjenige dient zuweilen (gleich dem Pronomen der, vgl. § 97) als Hinweis auf ein Ding derselben Gattung und derselben Benennung wie das eben erwähnte.
Ihre Gesichtszüge waren im Laufe der Jahre auf wunderliche Weise denjenigen ihres Gatten ähnlich geworden. (Th. Mann)
Auch war sein Äußeres kaum dasjenige eines Mannes, der erst am Ende der Dreißiger steht. (Th. Mann)
§ 100. Das Demonstrativpronomen solcher (solche, solches) weist immer auf die Beschaffenheit eines Dinges, auf seine Qualität hin, die bereits erwähnt worden ist oder in der Folge erwähnt wird. Es wird meist adjektivisch gebraucht.
Das Pronomen solcher weist drei Nebenformen derselben Bedeutung auf: ein solcher (eine solche, ein solches; Pl. solche), solch ein (solch eine, solch ein, ohne Pl.) und ein solch (Pl. solch) + nachfolgendes Adjektiv. Solcher wird wie dieser dekliniert und steht im Singular meist bei Stoffnamen und Abstrakta.
Solche Unverfrorenheit ist Pauline Hardekopf noch nicht vorgekommen. (W. Bredel)
Diederich erschien jetzt ganz früh im Bureau, um solche Briefe abzufangen... (H. Mann)
...ich erinnerte mich, ...daß man bei solchem Handel das Hundertfache erwerben könne. (W. Hauff)
Im Genitiv Singular des männlichen und sächlichen Geschlechts kommt zuweilen auch die Form solchen vor.
Er... schloß jäh, bis zum äußersten erschöpft, mit der Aufforderung an seine Freunde und Mitbürger, alles zu tun, um eine Wiederkehr solchen Grauens zu verhindern. (W. Joho)
Das Pronomen ein solcher wird im Singular wie der unbestimmte Artikel mit einem Adjektiv dekliniert (im Plural stimmen die Formen mit denen des Pronomens solcher überein).
Sie träumte wohl, sie sei selber die Heldin einer solchen Romanze, eine schöne, junge Frau zum Beispiel... (L. Feuchtwanger)
Bauschan weigert sich, dies zu tun. Er weigert sich,— versuche es, ihn zum Sprung über ein solches unwirkliches Hindernis zu bewegen... (Th. Mann)
Das Pronomen solch ein hat einen unveränderlichen ersten Teil; der zweite wird wie der unbestimmte Artikel dekliniert.
In solch einer Universitätsstadt ist ein beständiges Kommen und Abgehen... (H. Heine)
„...Xaver, schämst du dich nicht, in solch einem Zustand das neue Jahrhundert zu beginnen...“ (J. R. Becher)
Das Pronomen ein solch zieht stets ein attributives Adjektiv nach sich. Dekliniert wird nur der erste Teil (wie der unbestimmte Artikel).
Traurigkeit überkam ihn, daß eine Liebesheirat ein solch beschämendes Ende nehmen sollte. (B. Kellermann)
Die Pronomen solcher, ein solcher, solch ein werden zuweilen auch substantivisch gebraucht.
Man hat mich deshalb oft einen Müßiggänger gescholten und als solchen bestraft... (H. Heine)
Aber es gab gewiß auch solche unter ihnen, die nur schwach waren... (W. Bredel)
§ 101. Das Demonstrativpronomen es wird nur substantivisch gebraucht. Es hat eine abgeschwächte demonstrative Bedeutung und bleibt daher im Satz unbetont.
„Ja, Tom, sie liegt, es steht schlimm mit ihr, und der Doktor fürchtet, daß es Tuberkeln sind...“ (Th. Mann)
Es war ein richtiger Skandal, die ganze Stadt verachtete Nicki. (B. Kellermann)
Das Demonstrativpronomen es tritt oft als Korrelat auf, es weist dann auf einen Nebensatz bzw. eine Infinitivgruppe hin (vgl. § 103).
Und es ergab sich, daß Christian Schreiben, Rechnen und Singen gehabt hatte. (Th. Mann)
Es war schön, so in der Sonne herumzusitzen und einmal nichts zu tun. (B. Uhse)
Die Frau verstand es, ihm solche Träume auszureden... (A. Seghers)
§ 102. Die Demonstrativpronomen selber und selbst sind undeklinierbar. Sie weisen auf die im Satz genannte Person zurück- oder kennzeichnen die genannte Person als selbständig handelnde.
Er... lachte über sich selbst. (W. Bredel)
Petrus sagte erleichtert seufzend: „Dann riskiert er's nicht, du hast recht. Daß ich daran nicht selber gedacht hab!“ (L. Frank)
Anmerkung. Das Pronomen selbst darf nicht mit der gleichlautenden Partikel verwechselt werden. Zu beachten ist die Wortstellung der beiden: das Pronomen selbst steht nach dem Beziehungswort, die Partikel selbst stets nur davor. Vgl.:
Die Wachtposten selbst, die draußen an der Tür horchen, zucken beklommen die Achseln. (A. Seghers)
Selbst der unbeteiligte Sekretär Maigron schaute hoch bei der Nennung dieser Ziffer. (L. Feuchtwanger)
§ 103. Das Pronomen es (Zusammenfassung). Das Pronomen es ist mehrdeutig; je nach seiner Bedeutung ist es Personalpronomen, Demonstrativpronomen oder unpersönliches Pronomen.
1. Als Personalpronomen bezeichnet es die 3. Person Singular des sächlichen Geschlechts. Es wird meist nur im Nominativ und Akkusativ gebraucht.
Das Dorf kam näher. Es lag düster und verlassen da. (E. M. Remarque)
Sie gaben ihm ein Glas in die Hand. Er stellte es auf den Rasen, wandte sich wortlos um und ging hinaus. (L. Frank)
2. Als Demonstrativpronomen hat es eine abgeschwächte hinweisende Bedeutung. Gleich dem Personalpronomen wird es im Nominativ oder Akkusativ gebraucht.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? | Es ist der Vater mit seinem Kind... (J. W. Goethe)
„Kannst du denn nähen? Du siehst nicht so aus.“ — „Ich konnte es früher auch nicht; aber ich habe es gelernt.“ (E. M. Remarque)
Das Demonstrativpronomen es weist häufig auf das Subjekt oder ein Objekt hin, das durch eine Infinitivgruppe (zuweilen einen Infinitiv) bzw. einen Nebensatz ausgedrückt ist. In diesem Fall ist es nicht das Subjekt bzw. Objekt, sondern das Korrelat (s. § 101).
Es ist meine Lieblingsbeschäftigung, bei Nacht den Sternenhimmel zu betrachten... (Th. Mann)
Es war plötzlich schwer, wegzugehen... (E. M. Remarque)
Der Armeeführer vermied es besonders geschickt, auf die letzten Unfälle der Armee einzugehen. (W. Bredel)
Es war höchste Zeit, daß Janko zurückkam! (B. Kellermann)
3. Das unpersönliche Pronomen es erfüllt im Satz die Funktion des Subjekts (in unpersönlichen Sätzen) oder des direkten Objekts.
„Ende Oktober schneite es schon sehr stark.“ (E. M. Remarque)
Sie schien es sehr eilig zu haben, die Holznadeln klapperten hastig und fast ärgerlich in den kleinen, hurtigen Händen. (B. Kellermann)
Anmerkung. Mit dem unpersönlichen Pronomen es darf die Partikel es nicht verwechselt werden. (Über den Gebrauch der Partikel es s. § 208).
§ 104. Das Possessivpronomen. Die Possessivpronomen sind: mein, dein, sein, ihr, unser, euer, ihr, Ihr.
Diese Pronomen drücken das Besitzverhältnis, die Zugehörigkeit aus. Beim attributiven Gebrauch weisen sie doppelte Beziehungen auf:
1. die Wahl des Possessivpronomens wird durch die Person und die Zahl und für die dritte Person auch noch durch das Geschlecht des Wortes, das den Besitzer nennt, bestimmt. Vgl.:
Er war... der Mode seiner Jugend nicht untreu geworden... (Th. Mann)
Die Konsulin Buddenbrook... warf einen Blick auf ihren Gatten... (Th. Mann)
Es war schon nach halb fünf Uhr, als schließlich die Krögers eintrafen, die Alten sowohl wie ihre Kinder, Konsul Krögers mit ihren Söhnen Jakob und Jürgen... (Th. Mann)
Anmerkung. Im Russischen gebraucht man beim Hinweis auf den Besitzer unabhängig von dessen Person, Zahl und Geschlecht das reflexiv-possessive Pronomen свой. Im Deutschen steht dann jeweils das entsprechende Possessivpronomen. Vgl.:
Теперь, когда старуха окончила свою красивую сказку, в степи стало страшно тихо, точно и она была поражена силой смельчака Данко, который сжег для людей свое сердце. (М. Горький) - Nun, da die Alte ihr schönes Märchen beendet hatte, wurde es in der Steppe unheimlich still, als staune auch sie über die Seelenstärke des mutigen Danko, der um der Menschen willen sein Herz verbrannt hatte.
2. Kasus, Zahl und Geschlecht des Pronomens hängen von dem Beziehungswort ab, vgl.: mein Bruder, meine Uhr, dein Heft, deine Arbeit; sein Werk, seine Stadt; ihr Vater, ihre Jacke.
Im attributiven Gebrauch werden die Possessivpronomen im Singular wie der unbestimmte Artikel, im Plural wie der bestimmte Artikel dekliniert.
Die Possessivpronomen können auch substantivisch gebraucht werden. Sie werden dann pronominal dekliniert.
Er hatte sich so stark an seine neue Frau gewöhnt, daß er kaum mehr darüber nachdachte, daß das erwartete Kind nicht seines war. (A. Seghers)
Er setzte sich auf den Stuhl und legte die Hand auf ihre. (L. Frank)
Wird das substantivische Possessivpronomen als Prädikativ gebraucht, so steht es zuweilen auch in der nichtdeklinierten Form.
„Du bist mein?“ sagte sie bebend. (P. Heyse)
„Der Hut im Preise von achtzig Mark ist dein, meine Liebe...“ (H. Mann)
Im substantivischen Gebrauch stehen die Possessivpronomen auch mit dem bestimmten Artikel: der meine, der meinige; die seine, die seinige; das ihre, das ihrige usw. Man dekliniert dabei das Possessivpronomen wie ein Adjektiv der schwachen (nominalen) Deklination.
Sie öffnete gegen mich ein Paar Augen, so ernst und streng, daß die meinigen einen solchen Blick nicht aushalten konnten... (J. W. Goethe)
Die Possessivpronomen lassen sich substantivieren. In der Pluralform gebraucht, bezeichnen sie Familienangehörige, Verwandte, in der Singularform konkrete oder abstrakte Dinge.
Am Sonntag erschien... der Senator bei den Seinen und blieb bis zum Montag Morgen. (Th. Mann)
„Ich dachte nicht mehr, ich war vielmehr von der Idee besessen, das Meinige wiederzuhaben.“ (A. Zweig)
§ 105. Das Interrogativpronomen. Die Interrogativpronomen sind: wer, was, welcher, was für (ein). Sie enthalten eine Frage nach einem Ding oder einer Person bzw. nach deren Beschaffenheit.
Die Pronomen wer und was werden nur substantivisch gebraucht. Wer fragt nach einer Person, was nach einem Ding, seltener nach einer Person.
Die Dativform des Pronomens was ist ungebräuchlich; in präpositionalen Wendungen gebraucht man an ihrer Stelle das entsprechende Pronominaladverb: womit, woran usw. (s. § 118).
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? (J. W. Goethe)
Was also gab es für ihn jetzt zu tun? (W. Joho)
Womit habe ich dieses Zweifeln und Zögern Ihrerseits verdient?“ fragte er... (Th. Mann)
Das Interrogativpronomen was wird in bezug auf eine Person gebraucht, wenn nach deren Beruf, Parteizugehörigkeit bzw. sozialer Stellung gefragt wird.
Drei Gefangene treten heraus. „Was bist du?“ — „Arzt!“ (W. Bredel)
Das Pronomen welcher (welche, welches) verwendet man, wenn man eine Auswahl aus einer Menge treffen will. Welcher wird wie dieser dekliniert; es wird adjektivisch und substantivisch gebraucht.
Jeder Radfahrer wird befragt, ob er die jungen Pioniere überholt habe. „Welche Pioniere?“ — „Die aus Polen.“ (E. Strittmatter)
...welches sind denn diese einzelnen Teile...? (G. E. Lessing)
Welches waren ihre Ursachen? (Th. Mann)
Das Pronomen was für (ein) fragt nach Eigenschaften oder anderen Merkmalen eines Dinges. Es wird meist adjektivisch gebraucht. Dieses Pronomen ist aus einer Wortgruppe entstanden. Nur sein letzter Bestandteil ein wird dekliniert (wie der unbestimmte Artikel.)
„Solche Eier wollte ich nicht.“ Ich schiebe die Pfanne zur Seite.— „Was für Eier wolltest du, Tinko?“ — „Andere.“ — „Gekochte?“ — „Ja, gekochte.“ (E. Strittmatter)
In der Umgangssprache hat sich auch die ursprüngliche getrennte Wortstellung der einzelnen Bestandteile des Pronomens was für (ein) erhalten.
Was war das überhaupt für ein Mensch? Alt? Jung? (A. Seghers)
„Wenn es schlimm kommt, machen wir einen Karneval.“ — „Was ist denn das für Zeug?“ — „Na, Maskenball.“ (E. Strittmatter)
Die anderen im Ortsverein fragten Großvater: „Was bist du denn für einer...?“ (E. Strittmatter)
Die Pronomen welcher und auch in der unflektierbaren Form welch (ein) und was für (ein) werden zuweilen in Ausrufesätzen gebraucht, die Erstaunen, Bewunderung usw. ausdrücken.
In meinen Adern, welches Feuer! | In meinem Herzen, welche Glut! (J. W. Goethe)
Welch reicher Himmel! Stern bei Stern! | Wer kennet ihre Namen? (J. W. Goethe)
Welch ein Herbst und Winter, meine Teuere! (Th. Mann)
Was für Kerle! Was für eine Stimmung! (W. Bredel)
Die Pronomen wer, was und welcher werden in der Umgangssprache zuweilen in der Funktion der Indefinitpronomen gebraucht. Sie können dann auch durch irgend verstärkt werden (vgl. § 109).
„Hören Sie?“ fragte er plötzlich, „es kommt doch wer die Treppe herauf...“ (J. R. Becher)
Aber sie war keine Person, sich irgendwas auf lange zu Herzen zu nehmen... (Th. Fontäne)
Es sind auch noch außer Ihnen welche auf denselben Gedanken gekommen... (A. Seghers)
§106. Das Relativpronomen. Die Relativpronomen sind: der (die, das), welcher (welche, welches), was für (ein), wer, was. Die Relativpronomen stammen von Demonstrativ bzw. Interrogativpronomen ab; sie leiten einen Nebensatz (Relativsatz) ein. Sie erfüllen die Funktion von Bindewörtern, unterscheiden sich jedoch von den Konjunktionen dadurch, daß sie zugleich als Satzglied des Nebensatzes auftreten. Die Relativpronomen weisen auf ein Ding hin, das im Hauptsatz genannt wird. Die Pronomen der, wer und was werden stets substantivisch gebraucht, das Pronomen welcher meist adjektivisch. Sie werden wie die entsprechenden Demonstrativ- bzw. Interrogativpronomen dekliniert (s. §§ 97 u. 105). Es muß jedoch erwähnt werden, daß der Genitiv des Pronomens welcher nur in Relativsätzen gebraucht wird, die eine indirekte Frage enthalten; in allen übrigen Fällen steht die Genitivform des Pronomens der: dessen.
...es sind meistens die, denen man alles genommen hat... (E. Claudius)
In der Mitte stand ein langer Tisch, auf dem Bücher und Zeitschriften lagen. (L. Frank)
Anfangs verstand niemand im Saal, was das zu bedeuten hatte. (L. Frank)
Michael Nathan verließ das Haus; er wollte erfahren, wessen Landung man am Hafen verhinderte. (A. Seghers)
Sein winziges Häuschen auf Rädern, an dessen Außenwand eine Friedenstaube geklebt ist, beherbergt ihn bei Nacht und Regen... (A. Seghers)
Die Pronomen welcher und was für (ein) leiten Nebensätze ein, die eine indirekte Frage enthalten.
Martin unterbrach ihn mit einer schroffen Handbewegung: „Darum geht es nicht! Natürlich mußt du dich entscheiden, auf welche Seite du gehörst.“ (W. Joho)
„Ich könnte mir ansehen, was sie für ein Bett für mich zurechtgemacht haben.“ (E. Strittmatter)
Das Pronomen welcher kommt zuweilen in derselben Funktion wie das Pronomen der vor, jedoch bedeutend seltener: es ist auf den Schreibstil beschränkt und wird meist aus stilistischen Gründen gebraucht, häufig um eine Wiederholung des Pronomens der zu vermeiden, sowie bei mehreren aufeinander folgenden Relativsätzen.
„Ich bin glücklich, aber nicht wie die, welche die Not nicht kennen und immer nur gute Tage haben.“ (Th. Fontäne)
Ein Lächeln ging im Kreise, zu welchem erst Poggio sich ernst und ablehnend verhielt, an dem er aber endlich selbst sich mitlächelnd beteiligte... (C. F. Meyer)
Das Relativpronomen was bezieht sich oft auf die Pronomen das, etwas, nichts, alles, manches, vieles, auf ein substantiviertes Adjektiv im Superlativ bzw. auf einen ganzen Satz.
Carola hatte so manches erlebt, was einen Menschen entmutigen konnte... (B. Kellermann)
Was heißt das, verraten? — Verrat, das ist das Furchtbarste, was es gibt. (A. Seghers)
Franz versuchte in einigen Sätzen ein gerechtes Bild von Georg zu geben, was er wohl auch in der ruhigsten Stunde nicht gekonnt hätte. (A. Seghers)
Anmerkung. Bei den neueren Schriftstellern kommt nach den obengenannten Pronomen zuweilen auch das Relativpronomen das vor.
Vielleicht geschieht etwas, das mir die Entscheidung abnimmt. (J. R. Becher)
Steve, der auf dem Weg an alles gedacht hatte, das er ihr sagen wollte, blickte sie verstört an und berichtete plötzlich nur die nackte Tatsache. (L. Frank)
Das Relativpronomen weist eine doppelte Beziehung auf. in Geschlecht und Zahl richtet es sich nach dem Beziehungswort im Hauptsatz, der Kasus wird von seiner syntaktischen Funktion im Nebensatz bestimmt.
Die alte Frau, bei der Hans sich ein Zimmerchen gemietet hatte, in dem noch dies und jenes Möbelstück fehlte, hatte ihn gebeten, sie in ein Möbelgeschäft zu begleiten; dort habe sie einen gebrauchten billigen Waschtisch entdeckt, den sie kaufen wolle... (F. Erpenbeck)
Die Villard erzählte, ... sie habe ihn auch frühmorgens weg in ein kleines Cafe gebracht, dessen Wirt ihr Freund sei. (A. Seghers)
§ 107. Das Indefinitpronomen. Die Indefinitpronomen sind: man, einer, irgendein, irgendwelcher, jeder, jedermann, jemand, irgendwas, etwas, mancher, alles, beides, einiges, vieles. Die Indefinitpronomen weisen auf unbestimmte Personen und Dinge bzw. Eigenschaften hin. Einige davon können durch irgend verstärkt werden: irgendeiner, irgend jemand, irgend etwas. Die Pronomen: man, einer, jedermann, jemand, irgendwas, etwas, alles, beides, einiges, vieles werden stets nur substantivisch gebraucht, die Pronomen irgendein(er), irgendwelcher, jeder, mancher teils adjektivisch, teils substantivisch.
Die Pronomen man, einer, jedermann, (irgend) jemand können nur Personen vertreten, sie werden deshalb auch unbestimmt-persönliche Pronomen genannt.
§ 108. Das Pronomen man ist aus dem Substantiv Mann entstanden. Es ist undeklinierbar und tritt im Satz stets nur als Subjekt auf. Es bezeichnet meist eine unbestimmte. Mehrheit von Personen, seltener eine bestimmte Mehrheit oder auch eine bestimmte bzw. unbestimmte Person.
Eine halbe Stunde von der Stadt gelangt man zu zwei großen schwärzlichen Gebäuden. Dort wird man gleich von den Bergleuten in Empfang genommen. (H. Heine)
Er freute sich, als man in einer Wirtschaft zu Mittag aß, zu dritt an einem Tisch. (A. Seghers)
...heut abend werd ich dich wieder fragen, was du bist. Dann wirst du's mir sagen, garantiert!... War ja noch schöner, dem Vater die Stirn zu bieten, bloß weil man sich an den Kavalier gehängt hat, der ein elender Feigling ist! (F. Wolf)
Das Pronomen man kommt sehr häufig in Sprichwörtern, Sprüchen, sprichwortartigen Äußerungen vor; es, hat in diesem Fall verallgemeinernde Bedeutung.
Wie man sät, so erntet man. (Sprichtwort)
Man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist. (Sprichwort)
..und ich war froh, daß ich ihn vergaß. Man vergißt so etwas, wenn man älter wird. (H. Heine)
Die russische Sprache kennt kein unbestimmt-persönliches Pronomen von der Art des deutschen man. Den deutschen Sätzen mit man entsprechen im Russischen teils eingliedrige unbestimmt-persönliche Sätze mit dem Verb in der 3. Person Plural, teils verallgemeinernd-persönliche Sätze mit dem Verb in der 2. Person Singular, teils persönliche Sätze. Vgl.:
An jenem Abend, da man Marion und Mamuschka wegbrachte und er das Haus verlassen fand, wurde er ohnmächtig. (B. Kellermann) - В тот вечер, когда увезли Марион и мамушку и он нашел дом пустым, с ним случился обморок.
Aber so geht es, wenn man die Berühmten in der Nähe besieht! (H. Heine) - Но всегда так бывает, когда увидишь знаменитость вблизи.
Bei Gott, was hat Marion in dieser Zeit alles gelesen! So verging die Zeit und man verzweifelte nicht. (B. Kellermann) - Чего только не довелось ей прочитать за эти годы! Так шло время, Марион не отчаивалась.
Zuweilen wird ein deutscher Satz mit man im Russischen durch einen Infinitivsatz wiedergegeben; dies ist der Fall, wenn der deutsche Satz mit man ein Nebensatz (ein Bedingungssatz) ist. Vgl.:
Man ist überhaupt aus dem Gröbsten heraus, dachte Geschke, wenn man sich nur noch ein wenig geduldet und die Zähne zusammenbeißt. (A. Seghers) - Если только перетерпеть, стиснув зубы, то в конце-концов худшее останется позади,— говорил себе Гешке.
Die Sätze mit man und einem Modalverb als Teil des Prädikats—entsprechen im Russischen eingliedrigen unpersönlichen Sätzen. Vgl.:
Man muß sie nur im richtigen Augenblick überrumpeln... (H. Fallada) - Надо только улучить минуту и налететь врасплох...
Man hätte die Schulranzen vielleicht nicht zu Hause lassen sollen... (J. R. Becher) - Пожалуй, не следовало оставлять ранцы дома.
§ 109. Die Pronomen irgendein und irgendwelcher bezeichnen eine unbekannte oder unbestimmte Person bzw. ein Ding. Das Pronomen irgendein wird wie der unbestimmte Artikel dekliniert, es hat keinen Plural; im Plural gebraucht man sinngemäß das Pronomen irgendwelche.
Sie tranken beide zusammen und waren guter Dinge, verliebt und glücklich wie nur irgendein junges Paar zu irgendeiner Zeit. (W. Joho)
Das Pronomen irgendwelcher wird wie dieser dekliniert.
Die zusammengerollten Handschuhe warf er... genau in das Wasserglas auf dem Rundtischchen und holte dann, immer stumm umherblickend, aus irgendwelcher inneren Tasche ein Päckchen Zigaretten hervor... (Th. Mann)
§ 110. Die Pronomen (irgend)einer und (irgend) jemand bezeichnen eine nicht näher bestimmte bzw. unbekannte Person. Das Pronomen irgend(einer) wird wie dieser dekliniert, jemand wie der unbestimmte Artikel, doch kann im Dativ und Akkusativ die Endung -em bzw. -en auch ausbleiben.
„Hast du ihn nicht gekannt?“ fragte einer im Umkleideraum... (A. Seghers)
Ich brauchte einen, der ein standhaftes Leben mich lehrte. (J. R. Becher)
Ich wollte das Haus schon jemandem schenken, aber niemand wollte es haben... (B. Kellermann)
Er war froh, auf jemand gestoßen zu sein, der jede Einzelheit begriff... (A. Seghers)
Das Pronomen einer tritt oft als Synonym des Pronomens man auf. Es hat dann verallgemeinernde Bedeutung und kann im Gegensatz zu man in allen Kasus stehen.
Man hat Gedanken, die einen ersticken, wenn man immer allein ist. (A. Seghers)
Sich das vorzustellen, fällt einem schwer... (St. Hermlin)
§111. Die Pronomen (ein) jeder und jedermann bedeuten „ein beliebiger“. Jeder wird wie dieser dekliniert; steht der unbestimmte Artikel davor, so wird es wie ein Adjektiv nach dem unbestimmten Artikel dekliniert. Jedermann bekommt nur im Genitiv eine Endung, nämlich ein -s.
Das ist das Allerwertvollste an der Illegalität, daß jeder einzelne jede Minute, jede Stunde, jeden Tag das Schwerste lernen muß... (O. M. Graf)
Jeder wartete, daß der andere etwas sagen werde. (W. Bredel)
Sie hielt ein schwarzes Brot und schnitt ihren Kleinen ringsherum jedem sein Stück nach Proportion ihres Alters und Appetits ab, gab's jedem mit solcher Freundlichkeit, und jedes rief so ungekünstelt sein: Danke!... (J. W. Goethe)
Jedermann wußte, daß ohne französische Hilfe die aufständischen Amerikaner verloren waren. (L. Feuchtwanger)
Es schien, daß Menschen keine festen Umrisse hatten; ein jeder war ein anderer im Umgang mit einem jeden. (L. Feuchtwanger)
§ 112. Das Pronomen (irgend) etwas ist undeklinierbar; es bezeichnet nicht näher Bestimmtes bzw. Unbekanntes. Dieselbe Bedeutung hat auch das Pronomen irgendwas.
Es war unmöglich, daß ihm etwas entging. (A. Seghers)
Fast unhöflich sagt Peter: „Nein.“ Und er brummelt irgend etwas Unverständliches. (F. Erpenbeck)
Aber sie war keine Person, sich irgendwas auf lange zu Herzen zu nehmen... (Th. Fontane)
§ 113. Das Pronomen mancher (manche, manches) bezeichnet eine unbestimme Anzahl von Personen bzw. Dingen, manches auch eine unbestimmte Menge. Das Pronomen mancher wird wie dieser dekliniert.
...auf den Spuren so manches verschollenen Bauers oder Jägers dringt heute der geologische Pionier des Sozialismus in die Wildnis vor. (H. Huppert)
Der Wagen hielt vor Bierhallen und auch vor manchem vornehmen Privathaus... (B. Balazs)
Die Kollegen bemerkten lächelnd seine Arbeitswut und nützten sie auf ihre Weise aus, indem sie ihm unterderhand manches von ihrer eigenen Arbeit abgaben. (W. Joho)
Neben der Form mancher (manche, manches) kommt zuweilen auch manch einer (manch eine, manch eines) im substantivischen und manch ein (manch eine, manch ein) im adjektivischen Gebrauch vor.
„Für manch einen, für viele war meine Bekanntschaft — meine Bekanntschaft wenig angenehm, ähä, ähä! Ja, wenig angenehm!“ (B. Kellermann)
§ 114. Die Pronomen alles, beides, einiges, vieles werden wie dieses dekliniert. Sie bezeichnen meist eine unbestimmte Mehrheit bzw. Menge: alles und beides eine Gesamtheit, einiges eine geringere, vieles eine bedeutendere Mehrheit bzw. Menge.
Alles Blut stieg ihm plötzlich zu Kopfe. (Th. Mann)
Beides war nicht leicht festzustellen. (W. Joho)
Er dachte an das, was er sagen wollte, fand alles schal und billig... (W. Joho)
Einiges Eßbare wird sich vielleicht auch bei einem durchgefallenen Schriftsteller noch vorfinden“, sagte Tüverlin. (L. Feuchtwanger)
Das Pronomen alles kann vor einem Pronomen bzw. dem bestimmten Artikel der in der Kurzform stehen.
All dies war möglich... (W. Joho)
Darüber vergaß er sich selbst, sein Heim, seine Eifersucht, all sein kleines Elend. (A. Seghers)
So sind all die Wünsche und Hoffnungen meines Lebens erfüllt! (J. W. Goethe)
Das Pronomen alles kommt seiner Bedeutung nach zuweilen dem Pronomen jeder nahe.
Aller Anfang ist schwer. (Sprichwort)
Aus dieser Mulde schießt alle vier oder sechs Sekunden eine Rauch- und Feuersäule ins Firmament. (E. E. Kisch)
Zuweilen bezeichnet alles eine Gesamtheit von Personen. Dadurch soll diese Gesamtheit als Einheit, als Ganzes aufgefaßt werden.
Es entstand eine Panik. Alles sprang entsetzt in die Höhe und schrie, die Kinder heulten wirr durcheinander und weinten nach ihren Müttern. (B. Kellermann)
Wenn die beiden Herren vorübergingen, wurden die Leute stumm, die Kinder jagten nicht mehr, das Singen hörte auf. Alles sah ihnen nach. (H. Fallada)
Das Pronomen vieles wird auch in der Kurzform gebraucht und bezeichnet dann eine unbestimmte Menge.
„Oh, das heißt viel erwarten“, sagte sie, „von einer lebensmüden alten Frau“ (Th. Mann)
§ 115. Die Indefinitpronomen etwas, alles, einiges, manches, vieles (viel), sowie das Negativpronomen nichts (vgl. § 117) stehen häufig bei einem substantivierten Adjektiv. Dabei bekommt das Adjektiv nach den undeklinierbaren etwas und nichts sowie nach der Kurzform viel die starke Endung -s, nach alles, einiges, manches, vieles die schwache Endung -e.
Das war immer so gewesen, wird wohl noch eine Weile so bleiben und hatte etwas Beruhigendes. (L. Feuchtwanger)
Ein herrlicher Mann... zu gut vielleicht, zu gut sicher. Er hat schon viel Böses durch seine Güte erfahren... (H. Fallada)
Und plötzlich war aus ihrem Gesicht wieder alles Frauliche, Weiche fortgewischt... (F. Erpenbeck)
§ 116. Die Indefinitpronomen alles, beides, einiges, manches, vieles haben jedes eine Pluralform: alle, beide, einige, manche, viele. Doch diese Pluralformen können nicht so ohne weiteres zu den Pronomen gezählt werden. Sie nehmen eine Art Mittelstellung ein zwischen den unbestimmten Pronomen und den unbestimmten Numeralien. Dasselbe gilt auch für etliche, mehrere und sämtliche. Sie alle bezeichnen eine Mehrheit: alle, beide und sämtliche eine Gesamtheit, einige, etliche, manche, mehrere, viele eine geringere bzw. größere Mehrheit; sie werden substantivisch und adjektivisch gebraucht.
Das Publikum war unruhig geworden. Alle standen. Einige begriffen plötzlich, was sich ereignet hatte, und riefen Bravo. (L. Frank)
An der Bühnentür drängten sich viele Menschen. (W. Joho)
Sie stehen beide wieder auf der Straße, Beerboom und Kufalt. (H. Fallada)
§ 117. Das Negativpronomen. Die Negativpronomen sind: nichts, niemand, kein(er). Sie weisen auf das Fehlen eines Dinges, einer Person bzw. deren Eigenschaften hin. Die Pronomen nichts und niemand werden stets nur substantivisch gebraucht. Nichts ist undeklinierbar, niemand wird wie jemand dekliniert (s. § 110).
Nichts verneint immer das Vorhandensein von Dingen.
Frau Hohner sagte nichts. (L. Frank)
Es gibt nichts Gutes in diesem Krieg... (F. Wolf)
Niemand verneint das Vorhandensein von Personen.
Sie fragten einander, wer auf der Welt die Schuh und den Kaffee gebracht haben könnte. Niemand in Würzburg besitze diese kostbaren Sachen. (L. Frank)
„Ich geb' dir mein Ehrenwort darauf, ich sag' es bestimmt niemandem weiter.“ (J. R. Becher)
Das Pronomen kein(er) verneint ein Ding, eine Person bzw. deren Eigenschaften. Keiner (keine, keines) wird substantivisch gebraucht und wie dieser dekliniert. Kein (keine, kein) gebraucht man adjektivisch; im Singular wird es wie der unbestimmte Artikel dekliniert, im Plural wie diese.
Keine Antwort erfolgte. (W. Bredel)
Keiner, wie gesagt, merkte etwas von dieser Unrast, denn Eugen war ein disziplinierter Mensch, der seinen Stimmungen nicht nachgab. (W. Joho)
Das Negativpronomen kein darf nur dann gebraucht werden, wenn in der entsprechenden positiven Form das Beziehungswort im Singular mit dem unbestimmten Artikel oder artikellos, im Plural nur artikellos stehen soll. Vgl.: Hier liegt ein Heft.— Hier liegt kein Heft. Hier liegen Hefte.— Hier liegen keine Hefte. Ich habe Zeit.— Ich habe keine Zeit.
Steht beim Substantiv der bestimmte Artikel bzw. ein Pronomen, so kann nur die Negation nicht verwendet werden.
„Sagen Sie selbst, ist das nicht der Gipfel der Unverfrorenheit?“ (W. Bredel)
§ 118. Die Pronominaladverbien. Die Pronominaladverbien nehmen eine Mittelstellung zwischen Pronomen und Adverb ein. Gleich den Adverbien verändern sie sich nicht und können im Satz die Funktion einer Adverbialbestimmung ausüben.
Was also war geschehen? Warum ist es aus, mit Xaver aus? Darum ist es aus mit Xaver, und darum. Und hinter dem Darum kommt wieder ein Darum, die Gründe wollen nicht enden. (J. R. Becher)
Mit den Pronomen haben sie die hinweisende Bedeutung und einige Fälle ihres Gebrauchs gemein. Die Pronominaladverbien stehen statt einer Präposition mit einem Personal- bzw. Demonstrativpronomen und vertreten einen Satz oder eine präpositionale Wendung; im letzteren Fall darf aber das Substantiv kein Lebewesen bezeichnen. Vgl.:
Ein Messerchen in der einen Hand, einen angeschnittenen Apfel als Kostprobe in der anderen, wartete sie sofort auf den angekündigten Hauptkäufer. (A. Seghers)
Miesicke wartet darauf, daß sein Nebenmann ein Gespräch beginnt. (W. Bredel)
Die Pronominaladverbien werden aus dem Adverb da(r) oder wo(r) und der entsprechenden Präposition gebildet. Die Formen dar-, wor- werden gebraucht, wenn die Präposition im Anlaut einen Vokal hat: daran, darauf, worin, woraus; die Formen da-, wo- werden mit Präpositionen zusammengesetzt, die im Anlaut einen Konsonanten haben: dafür, damit, wonach, wovon. Nicht mit jeder Präposition läßt sich ein Pronominaladverb bilden. Dazu sind nur die meisten älteren Präpositionen fähig, die den Dativ oder den Akkusativ (oder beides) verlangen: darum, daraus, darauf, damit, dazu; worum, woraus, worauf, womit, wozu usw. Keine Pronominaladverbien werden von Präpositionen gebildet, die den Genitiv verlangen, sowie von den Präpositionen bis, ohne, seit, entgegen, gegenüber, außer u. a.
Die Pronominaladverbien mit wo(r)- werden als Fragewörter sowie relativ gebraucht.
Worin bestand eigentlich der Schaden? (B. Kellermann)
Plötzlich begreift sie, daß alles Unsinn ist, woran sie ihr Herz gehängt. (H. Fallada)
Die Pronominaladverbien mit da(r)- haben hinweisende Bedeutung.
Nur keine Überraschungen! Wir haben keine Zeit dazu. (E. M. Remarque)
Hans-Otto zweifelte nicht daran, daß diese Beschuldigungen richtig waren... (W. Bredel)
Anmerkung 1. Statt eines Pronominaladverbs (namentlich mit wo(r)-) kommen im umgangssprachlichen Stil auch präpositionale Wendungen (Präposition+ Pronomen) vor.
An was dachte der Mann? Was machte ihn innerlich so erregt? (H. Fallada)
Zum erstenmal in Paris kam mir der Gedanke, auf was ich denn eigentlich hier warte. (A. Seghers)
„Hm, ja, pensionieren lassen!“ An das hatte er eigentlich noch nie ernsthaft gedacht. (О. М. Graf)
Anmerkung 2. Die russische Sprache kennt keine Pronominaladverbien. Beim Übersetzen der Pronominaladverbien ins Russische soll man sich nach der Rektion der entsprechenden russischen Verben richten. Vgl.:
Die Zersetzung war bis in seine eigene Familie gedrungen, und daran war nur die todverhaßte Sozialdemokratie schuld. (W. Bredel) - Всеобщее разложение проникло даже в его собственную семью, и виною этому была все та же ненавистная социал-демократия.
Vielleicht, dachte Hermann, die Hände liefen ihm auf anderen Gleisen als seine Gedanken, wenn man weniger fest an das glaubt, wofür man lebt. (A. Seghers) - Может быть, думал Герман, руки Бенча не слушаются головы? Это бывает, когда уже не так крепко веришь в то, ради чего живешь. Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst. (K. Marx/F. Engels) - Оружие, которым буржуазия ниспровергла феодализм, направляется теперь против самой буржуазии.

Грамматика немецкого языка. 2-е издание. .

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • das Pronomen — (lat.) Fürwort …   Das Grundschulwörterbuch Fremde Wörter

  • Pronomen — (Fürwort) § 92. Das Pronomen ist eine Wortart, die kein Ding bzw. dessen Eigenschaft nennt, sondern nur darauf hinweist. Nach ihren syntaktischen Funktionen im Satz zerfallen die Pronomen in zwei Gruppen: substantivische Pronomen (pronomina… …   Грамматика немецкого языка

  • Pronomen — Als Pronomen (Mehrzahl Pronomina oder Pronomen) oder Fürwort wird in der traditionellen Wortartlehre eine (recht vielgestaltige) Wortart bezeichnet. Als Pronomen werden Wörter bezeichnet, die entweder stellvertretend für ein Substantiv (Nomen im… …   Deutsch Wikipedia

  • Pronomen — Fürwort; Stellvertreter * * * Pro|no|men 〈n.; s, od. mi|na; Gramm.〉 Vertreter einer Klasse von Wörtern, die entweder anstelle eines Namens stehen, der dem Sprecher u. Hörer bekannt ist u. in der Rede nicht wiederholt werden soll, od. die auf… …   Universal-Lexikon

  • Pronomen — (lat., Fürwort), ein flexibler Redetheil, welcher einen Gegenstand nach seinem jedesmaligen Verhältniß zu dem Redenden bezeichnet. Die Pronomina zeigen an, ob der Gegenstand der Redende, od. der Angeredete od. derjenige ist, von welchem geredet… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Pronōmen — (lat., Fürwort), ein flexibler Redeteil, der, anstatt eine Person oder Sache bestimmt zu bezeichnen, wie ein Substantivum, nur in allgemeiner Weise auf dieselbe hinweist, in gewissen Fällen auch die Stelle eines Adjektivums vertritt (als P.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Pronomen — Pronomen, Mehrzahl pronomina, lat., Fürwort, in der Grammatik ein Redetheil, der theils das Substantiv vertritt (substantivisches P.), theils als Bestimmungswort des Substantivs steht (adjectivisches P.). Die P. sind: persönliche (ich, du etc.),… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Das dreißigste Jahr — ist ein von Ingeborg Bachmann zuerst 1961 veröffentlichter Zyklus von sieben Erzählungen, die sich mit Themen der Nachkriegszeit in Österreich und Deutschland beschäftigen. Obgleich die Öffentlichkeit auf diesen ersten Prosatext der Autorin… …   Deutsch Wikipedia

  • Pronomen — Pronōmen (lat., Mehrzahl Pronomĭna), Fürwort, in der Grammatik ein das Substantiv vertretender oder dasselbe bestimmender Redeteil. Man unterscheidet: 1) persönliches Fürwort (P. personāle, ich, du etc.); 2) besitzanzeigendes (possesīvum, mein,… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Pronomen — »Wort, das anstelle eines Nomens steht, Fürwort«: Der grammatische Fachausdruck wurde im 14./15. Jh. aus gleichbed. lat. pro nomen entlehnt (vgl. 1↑ pro..., ↑ Pro... und ↑ Nomen) …   Das Herkunftswörterbuch